Lisa Faustmann ist eine in Berlin lebende Künstlerin, die sich mit Tiefdruck, Hochdruck und Monotypie beschäftigt. In ihren Arbeiten untersucht sie die Landschaft nicht als feststehendes Bild eines Ortes, sondern als ein Feld der Verwandlung, in dem sich Erinnerung, Wahrnehmung und materieller Prozess ständig überschneiden.
Der Ausstellungstitel „TEMPORAL LAYERS“ verweist darauf, wie Zeit durch die Druckgrafik sichtbar wird. Momente sammeln sich an, lösen sich auf und kehren in veränderter Form zurück. Bei der Arbeit mit dünnen MDF-Platten greift Faustmann während des gesamten Druckprozesses wiederholt in dieselbe Matrize ein. Anstatt die Platte als fertiges Werkzeug zu behandeln, bleibt sie offen für Veränderungen und trägt Spuren früherer Zustände in sich.
Viele der Arbeiten entstehen in Serien, doch jeder Druck erhält seine eigene Farbkonstellation. Wiederholung wird zur Variation; kein Bild existiert als identische Kopie. Landschaften verschieben sich durch subtile Unterschiede in Ton, Textur und Überlagerung und spiegeln so den unbeständigen Charakter der natürlichen Wahrnehmung selbst wider.
Faustmanns Bilder entspringen einem Interesse daran, wie sich die Natur der Stille widersetzt. Das Licht verändert sich, die Jahreszeiten vergehen, Oberflächen erodieren, Farben intensivieren sich und verschwinden. Was stabil erscheint, wird in Wirklichkeit kontinuierlich zu etwas anderem. Die daraus entstehenden Werke oszillieren zwischen Beobachtung, Atmosphäre und Erinnerung und halten eher flüchtige Erlebnisse als bestimmte Orte fest.
TEMPORAL LAYERS versteht Landschaft nicht als Kulisse, sondern als einen sich entwickelnden Zustand: vielschichtig, unvollendet und ständig in Bewegung.