Whitegrid Logo
VORDERE MITTE — Arbeiten von Andrea van Reimersdahl

VORDERE MITTE — Arbeiten von Andrea van Reimersdahl

24. April 2026 – 23. Mai 2026

Andrea van Reimersdahl arbeitet vorwiegend mit Siebdruck auf Stoff und Leinwand, was sie als eine Form der Malerei versteht. Nach ihrem Abschluss als Meisterschülerin von Prof. Katharina Grosse entwickelte sie eine eigenständige Praxis, die im Medium Textil verankert ist.

Viele ihrer Arbeiten beginnen mit vereinfachten Zeichnungen, aus denen sie Formen entwickelt, die sie 
vergrößert, spiegelt und als Schablonen für Malerei und Siebdruck nutzt. Durch diese Übertragungsprozesse entstehen Bildkompositionen aus organischen Formen und fließenden Farbverläufen, die zwischen abstrakter Malerei und Volkskunst changieren.

Der Ausstellungstitel entlehnt einen Begriff aus der Schneiderei: die „vordere Mitte“, eine Markierungslinie im Schnittmuster, an der sich das Schnittmuster spiegeln lässt. Im bildnerischen Prozess wird diese Achse jedoch nicht stabilisiert, sondern verschoben, aufgelöst und neu verhandelt.

Die Bildsprache von Andrea van Reimersdahl bringt Textilien, Körper und Mode zusammen. Ausgehend von einer Praxis, die biografisch und materiell tief im Textilen verwurzelt ist, entstehen Arbeiten, deren abstrakte, organische Formensprache sich aus der Zeichnung entwickelt. Frühe Erfahrungen – das Arbeiten mit der Großmutter, einer Schneiderin, das Sticken, Nähen und Seidenmalen – wirken dabei bis in die Gegenwart fort.

Textilien erscheinen hier nicht als bloßes Material, sondern als sinnlich aufgeladene Träger von Erinnerung: persönlich, familiär und kollektiv. Im Arbeitsprozess treten sie als widerständige Akteure auf, die Ordnungen verschieben, Konturen auflösen und amorphe Bildräume öffnen. Linien erinnern an Schnittführungen, Silhouetten an Körper, ohne sich je festzuschreiben.

So entsteht ein instabiles Gefüge, in dem sich Körper, Raum und Oberfläche gegenseitig durchdringen. Die „vordere Mitte“ bleibt dabei nicht Fixpunkt, sondern wird zu einer fragilen Setzung – einer Linie, an der sich Wahrnehmung immer wieder neu ausrichtet und zugleich entzieht.

Ausgestellte Werke